| Interview mit den Ärztinnen und Ärzten der Artemis Cystitis Clinic in London (Teil 2)

Wir hatten die Gelegenheit, direkt mit dem Ärzteteam zu sprechen – über Diagnoseverfahren, Behandlungsprotokolle und die Sicherheit einer Langzeittherapie bei chronischer Harnwegsinfektion.

Das Originalinterview auf Englisch finden Sie hier.

Rezidivprävention, Forschung und zukünftige Entwicklungen

9. Welche Schritte empfehlen Sie nach Abschluss der Behandlung, um Rückfälle zu vermeiden oder die langfristige Gesundheit zu unterstützen?

Es ist äußerst wichtig, dass Patientinnen und Patienten ständig Antibiotika vorrätig haben, um bereits bei den ersten Anzeichen eines Rückfalls sofort mit der Einnahme beginnen zu können.
Solche akuten Episoden klingen bei rascher Behandlung in der Regel schnell ab, sodass das Risiko, erneut eine chronische oder wiederkehrende Infektion zu entwickeln, gering ist.

Nach Abschluss der Behandlung verbleiben die Patientinnen und Patienten in einem offenen Betreuungsverhältnis („open appointment“). Das bedeutet, dass sie uns jederzeit bei wiederkehrenden Problemen kontaktieren können und zeitnah ärztlichen Rat erhalten.


10. Gibt es neue Studien oder Erkenntnisse im Bereich der chronischen Harnwegsinfektionen, die Ihren Behandlungsansatz beeinflusst haben?

Die ALTAR-Studie war hilfreich, um den Einsatz von Methenamin-Hippurat zu fördern.
Es gibt veröffentlichte Studien zu Impfstoffen und Instillationen, doch laut Cochrane-Reviews sind weitere Untersuchungen erforderlich, um deren Wirksamkeit eindeutig zu belegen.
Wir warten derzeit auf weitere Studien zu alternativen Verabreichungsformen von Antibiotika, die gezielt in die Blasenschleimhaut eingebracht werden – diese sind jedoch noch nicht für den klinischen Einsatz am Menschen zugelassen.
Ein neues Antibiotikum namens Gepotidacin ist ebenfalls im Gespräch, doch liegen bislang keine ausreichenden Langzeitsicherheitsdaten vor.
Wir möchten daher zunächst mehr über dessen klinische Anwendung erfahren, bevor wir es als sicher einstufen.


11. Wie sehen Sie die Zukunft der Behandlung chronischer Harnwegsinfektionen? Gibt es neue Technologien, Therapien oder Ansätze, die Ihnen Hoffnung machen?

Frühe, vollständige Behandlung der Erstinfektion (Index-UTI), um eine Einlagerung von Bakterien in das Blasengewebe zu verhindern. Längere Therapiezyklen, um das Risiko eingebetteter Infektionen zu verringern.

Neue Wirkstoff-Transportsysteme, die Antibiotika direkt in die Zellen bringen und idealerweise als einmalige oder wiederholte Behandlung dienen könnten.

Polymere, an denen andere Forschungsgruppen arbeiten, um neue therapeutische Möglichkeiten zu schaffen.

Phagentherapie, die in den USA zunehmend an Popularität gewinnt – derzeit liegen allerdings noch keine belastbaren klinischen Daten aus der Praxis vor.

Internationale und deutsche Patientinnen und Patienten

12. Dieses Interview richtet sich speziell an deutschsprachige Patientinnen und Patienten. Welchen Rat würden Sie Menschen aus Deutschland oder anderen Ländern geben, die eine Behandlung in Ihrer Klinik in Erwägung ziehen, aber unsicher sind, wie sie vorgehen sollen?

Patientinnen und Patienten können das Verwaltungsteam der Klinik unter 📧 ClinicAdministration@ArtemisCystitis.com kontaktieren. Das Team informiert über den genauen Ablauf, um einen Termin zu vereinbaren.

Für nicht im Vereinigten Königreich wohnhafte Patientinnen und Patienten gilt: Wir bitten darum, dass sie uns eine Ansprechperson im medizinischen Bereich (z. B. Ärztin/Arzt) mit E-Mail-Adresse nennen, an die wir unsere Zusammenfassungen in Kopie senden können. So stellen wir sicher, dass ein lokaler Arzt oder eine Ärztin über die Behandlung Bescheid weiß.

Wir bieten sowohl Präsenz- als auch Online-Konsultationen für Frauen und Männer an.

Für die Nachsorge sind in der Regel Kontrollen alle 3–4 Monate erforderlich.

Der Vorteil persönlicher Termine liegt darin, dass wir dabei eine Frischurin-Mikroskopie durchführen können, um den Verlauf zu überwachen und die Behandlung gezielt anzupassen.


13. Für Patientinnen und Patienten, die aufgrund geografischer oder finanzieller Gründe nicht regelmäßig zu Ihnen kommen können – gibt es Möglichkeiten der Fernbetreuung oder Überwachung?

Für Patientinnen und Patienten, die nicht nach Großbritannien reisen können, besteht die Möglichkeit, die Mikroskopie in Deutschland durchführen zu lassen und uns die Ergebnisse zuzuschicken. Wir stellen Informationen bereit, wie dies korrekt durchgeführt werden kann.

Wir erwarten jedoch, dass Patientinnen und Patienten mindestens einmal jährlich persönlich in die Klinik kommen.

Rezepte dürfen nur bei persönlicher Konsultation ausgestellt werden. PDF-Rezepte können an lokale Apotheken übermittelt werden, sofern diese bereit sind, sie anzunehmen.
 

14. Haben Sie Verbindungen zu Ärztinnen und Ärzten oder Fachleuten für chronische Harnwegsinfektionen in anderen Ländern, auch in Deutschland? Wenn nicht, wäre das in Zukunft denkbar?

Wir stehen mit Fachleuten weltweit in Kontakt, die sich über E-Mail austauschen, Fragen stellen und uns teils auch in der Klinik besuchen, um zu hospitieren.

Wir ermutigen ausdrücklich zu dieser Art der Zusammenarbeit.

Zudem bieten wir Unterstützung für Ärzteteams, die eine Spezialklinik für chronische Harnwegsinfektionen gründen möchten, und teilen unsere Protokolle und Methoden.
 

15. Was sind die größten Herausforderungen für deutsche Patientinnen und Patienten, die eine Behandlung bei chronischen Harnwegsinfektionen suchen? Und könnten Sie sich eine Zusammenarbeit mit deutschen Ärztinnen, Ärzten oder Kliniken vorstellen, um Ihr Fachwissen nach Deutschland zu bringen?

Herausforderungen:

  • Reiseaufwand
     
  • Schwierigkeiten, Langzeitantibiotika lokal zu erhalten, da nationale Antibiotic-Stewardship-Richtlinien sehr streng sind
     
  • Fehlende standardisierte Frischurin-Mikroskopie
     
  • Reise- und Unterkunftskosten als finanzielle Belastung
     
  • Nebenwirkungen oder notwendige Medikationsanpassungen
     
  • Verschreibungsvorgaben, die außerhalb des Vereinigten Königreichs kompliziert sein können

Lösungsansätze:

  • Reisedaten frühzeitig planen, um günstigere Flüge oder Zugtickets zu erhalten
     
  • Einen lokalen Arzt oder Ärztin finden, der die Behandlung individuell begleitet
     
  • Ein Labor suchen, das Frischurin-Mikroskopie mit Zellzählung anbietet

Zur Zusammenarbeit:

Wir würden gerne mit einem engagierten medizinischen Team in Deutschland zusammenarbeiten, das die gleichen Standards einhält und eine geeignete Governance-Struktur für die Durchführung dieser spezialisierten Behandlung aufbaut.

Aufklärung, Anerkennung und Patientenengagement

16. Chronische Harnwegsinfektionen sind im Vereinigten Königreich inzwischen als Diagnose anerkannt. Wissen Sie, welche Schritte unternommen wurden, um diese Anerkennung zu erreichen?

Die Diagnose chronische Harnwegsinfektion (cUTI) wurde im Vereinigten Königreich im Jahr 2022 offiziell anerkannt.

Dafür waren jahrelange Lobbyarbeit und das Engagement einer Kern­gruppe von Patientinnen und Patienten sowie Professor Malone-Lee erforderlich, die sich gemeinsam an NHS England wandten. Sie erfüllten sämtliche administrativen Anforderungen, nahmen an Sitzungen teil und legten wissenschaftliche Nachweise und Referenzen vor, um die Anerkennung zu erreichen.

Dieser Prozess kann sich jedoch von Land zu Land unterscheiden.

In Deutschland müssten sich Ärztinnen, Ärzte und Fachgruppen ebenfalls mit den lokalen Richtlinien und Verfahren auseinandersetzen, um ähnliche Fortschritte zu erzielen.
 

17. Welche Rolle können Patientinnen und Patienten mit chronischen Harnwegsinfektionen bei der zukünftigen Gestaltung von Diagnose und Behandlung in ihrem Land spielen?

Patienteninitiativen und Selbsthilfegruppen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Bewusstsein zu schaffen. Wir beobachten bereits, dass sich in vielen Ländern kleine Kerngruppen bilden, die Websites und Informationsplattformen aufbauen.

Die Stimme der Patientinnen und Patienten ist äußerst kraftvoll, insbesondere wenn sie sich aktiv an Forschung und Aufklärungsarbeit beteiligen. Das Teilen persönlicher Erfahrungen auf medizinischen Konferenzen oder in öffentlichen Foren kann ein wirkungsvolles Instrument sein, um Aufmerksamkeit und Verständnis zu fördern.
 

18. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hindernisse für das öffentliche Bewusstsein und das Verständnis chronischer Harnwegsinfektionen? Wie können Patientinnen, Patienten und Ärztinnen, Ärzte gemeinsam daran arbeiten, diese zu überwinden?

Die größten Hindernisse sind:

  • Richtlinien, die nur 3-tägige Behandlungen empfehlen
     
  • Eine Überbewertung fehleranfälliger Diagnostikmethoden
     
  • Das Abtun von Symptomen durch medizinisches Personal

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen, Ärzten und Patientengruppen ist der Schlüssel, um Erstinfektionen richtig zu erkennen und zu behandeln. Wenn chronische Patientinnen und Patienten nicht länger ignoriert, sondern konsequent behandelt werden, kann das die Leidensdauer erheblich verkürzen.
 

19. Haben Sie abschließende Gedanken oder Ratschläge für unsere Leserinnen und Leser, insbesondere für diejenigen, die mit den Herausforderungen einer chronischen Harnwegsinfektion leben?

  • Vertrauen Sie Ihren Symptomen.
     
  • Suchen Sie frühzeitig Hilfe.
     
  • Geben Sie nicht auf, bis Sie eine Erklärung finden.
     
  • Lassen Sie sich nicht durch fehlerhafte Tests verunsichern.
     
  • Fordern Sie eine fachärztliche Untersuchung ein und informieren Sie sich selbst – das Internet kann ein mächtiges Werkzeug sein.

Wir bedanken uns herzlich bei den Ärztinnen und Ärzten der Artemis Cystitis Clinic in London für die Zeit, die sie sich genommen haben, um unsere Fragen zu beantworten.
Ihr Engagement, ihr Wissen und ihre langjährige Erfahrung in der Behandlung chronischer Harnwegsinfektionen sind für viele Betroffene eine wertvolle Quelle der Hoffnung und Orientierung.

Hinweis: Dies ist eine maschinelle Übersetzung aus dem Englischen. Zur englischen Originalversion


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